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Wasserrakete · Flugrechner · Startfreigabe

Bereit zum ersten Start?

Ein vollständiger Durchgang durch Firmware, Filter, Simulator und Bodenstation hat vier echte Fehler gefunden und behoben. Was den ersten Start noch aufhält, ist keiner davon — es sind Entscheidungen, die niemand außer dem Erbauer treffen kann, und ein Stück Hardware, das es noch nicht gibt.

Stand 2. September 2026 Branch eskf-navigation Auf der Hardware geprüft, nicht nur simuliert
4Fehler gefunden und behoben
19Punkte offen bis zum Erststart
108 → 27 mschlechtester Positionsfehler, 20 Flüge
14 → 0Flüge, in denen der Filter Divergenz meldete

01

Die Antwort zuerst

Die Software ist nach den Korrekturen in gutem Zustand. Alle zwölf Selbsttests der Firmware laufen auf der echten Hardware grün, der Filter meldet über achtunddreißig Minuten Dauerlauf keine einzige Klemmung, keine Dekorrelation, keine Sättigung, und die Bodenstation besteht 307 Tests.

Abstempeln würde ich den Erstflug trotzdem nicht

Und zwar wegen keinem einzigen Softwarefehler. Es hängt an zwei Dingen: Hardware, die es noch nicht gibt — die Pyro-Schaltung ist entworfen und bestätigt, aber nicht gebaut — und fünf Entscheidungen, in denen der Schirm gar nicht oder zu spät kommt. Alle fünf sind in je einem Satz Code behoben, sobald klar ist, wie hoch die Rakete wirklich fliegt.

Der kürzeste Weg dorthin ist kurz: den echten Scheitel bestimmen beantwortet die Auslhöhe, und den Massepfad überarbeiten macht den Reichweitentest überhaupt erst sinnvoll. Alles andere hängt an diesen beiden.

02

Die Checkliste, vom Löten bis zur Auswertung

Sechs Phasen. Die Reihenfolge ist nicht Bequemlichkeit, sondern Sicherheit — und die erste Phase ist die eigentliche Arbeit, alles danach ist Abarbeiten.

0
Werkstatt, Tage vorher

Das ist die eigentliche Arbeit. Alles danach ist Abarbeiten.

  • Massepfad überarbeiten. Kurze dicke Masseleitung, Sternmasse statt Kette, Abblockung direkt am Funkmodul. Solange das nicht gemacht ist, bleibt die Sendeleistung bei einem Viertel der Reichweite.
  • Pyro-Schaltung aufbauen. 9-V-Block getrennt vom Rechner, ein Leistungsschalter je Kanal, Vorwiderstand am Steuereingang, Ableitwiderstand an jedem. Der ist heute das Einzige, was die Zündkreise beim Einschalten unten hält.
  • Erst ohne Zünder testen. Steuerspannung über den ganzen Startvorgang messen, auch die ersten Millisekunden. Eine Leuchtdiode mit Vorwiderstand statt des Zünders ist der ehrlichere Test als eine Überlegung.
  • Armschalter physisch in die 9-V-Leitung und zusätzlich an den Eingang. Der Schalter allein reicht nicht — die Software liest ihn nicht, siehe Kapitel 03.
  • Durchgangsprüf-Pin durchmessen, bevor etwas dranhängt. Er ist bis heute nur empfohlen, nicht bestätigt.
  • Statischen Druckanschluss vorsehen. Staudruck liest sich als Höhe, und Höhe zündet den Schirm.
  • Elektronik fest verbauen. Alle bisherigen Tests liefen auf einem losen Steckbrett, und mehrere reale Fehler dieses Projekts waren wackelnde Leitungen. Ein Flug auf Steckbrett ist kein Flug, sondern ein Wurf.
  • Echten Scheitel bestimmen — rechnen oder ein Testflug ohne Pyrotechnik. Ohne diese Zahl lässt sich die Auslösehöhe nicht setzen.
  • Bewegungstest. Board eine gemessene Höhe anheben, halten, absenken; idealerweise ein Wurf mit echtem freien Fall. Bis heute ist praktisch alles am Filter nur im Stillstand geprüft.
  • Reichweitentest bei der Leistung, die nach dem Umbau wirklich benutzt wird. Nie gemessen.
1
Am Rechner, vor dem Flashen

Alles, was hier durchrutscht, fliegt mit.

  • Commit-Hash notieren. Ohne ihn lässt sich später nicht sagen, welche Software geflogen ist — und eine Aufzeichnung, die man keiner Version zuordnen kann, bedeutet in einem halben Jahr nichts mehr.
  • Auslöseparameter gegen die echte Rakete gesetzt — Höhe, Mindestzeit nach dem Scheitel, Verzug der zweiten Zündung, Abbruchhöhe, Obergrenze.
  • Die vier Entscheidungen zum Zustandsautomaten getroffen — Reservezündung, totes IMU, eingefrorenes Barometer, Zeitreserve beim Brennschluss (Kapitel 03).
  • Konfigurations-Hygiene: die beiden Testeinstellungen vom 30. August zurück, Konsolen-Rohdatenstrom aus, Sendeleistung auf dem nach dem Umbau gemessenen Wert.
  • Entscheiden: GNSS-Geschwindigkeit im Filter. Sie ist eingeschaltet, aber weder auf der Hardware noch im Simulator je ausgeführt worden.
  • Erwägen: Selbsttests für den Flug ausschalten. Gemessen 41 Sekunden vom Reset bis zur ersten Zeile der Flugschleife, davon 24 allein für den Filtertest.
  • Alle Host-Tests grün — Filter, Kovarianz, Magnetometer, Simulator über alle Szenarien einschließlich seiner eigenen Stimmigkeitszeile.
  • Bodenstation grün — 307 Tests.
  • Flashen mit offenem Port, sonst geht der halbe Startbericht in der USB-Neuaufzählung verloren.
2
Auf dem Tisch, direkt nach dem Flashen

Der Punkt, an dem sich Fehler noch billig finden lassen. Zwölf Selbsttests laufen beim Start — und nichts hängt daran. Ein Fehlschlag hält die Firmware nicht auf, also muss ein Mensch sie lesen.

  • Alle zwölf Selbsttests grün gelesen.
  • Speicher ≥ 512 kB frei. Sonst schaltet die Firmware das Vorflug-Aufzeichnen ab und der Flug zeichnet nichts auf. Heute: zwölf Kilobyte frei.
  • Beide Sensoren gefunden — keine Zeile „SENSOR MISSING“.
  • Barometer-Startwert: die fünf Einzelwerte liegen dicht beieinander. Ein Ausreißer unter fünf ist ausgekehrt, fünf Ausreißer sind ein Sensorproblem.
  • Gyro-Kalibrierung: 150 von 150, und keine Warnung „ungewöhnlich groß“.
  • Schwerkraft „gemessen“. Steht dort „verworfen“, hat sich das Board während der Kalibrierung bewegt.
  • Filterzähler alle null — Sättigung, Klemmung, Dekorrelation, Reset. Und die Kurs-Unsicherheit startet bei π; fällt sie sofort, stimmt der Startwert nicht.
  • Funk bestätigt — Level und Sendeleistung beide quittiert.
  • Bodenstation: Beacon empfangen, Prüfsummen fehlerfrei, Zählnummern lückenlos.
  • Kommandokanal durchgespielt — vor allem Entschärfen, denn das ist der einzige Abbruch aus der Ferne.
3
Auf der Rampe

Die Reihenfolge ist hier Sicherheit, nicht Bequemlichkeit.

  • Armschalter aus — erst danach die Zünder anschließen.
  • Durchgang der Zünder prüfen, mit einem Gerät, das den Zünder nicht auslöst — kein normales Multimeter im Widerstandsbereich.
  • Rakete auf der Rampe, Elektronik verschraubt, Kabel gesichert, Antenne frei.
  • Board einschalten und stillhalten. Die ersten Sekunden sind Barometer-Startwert und Gyro-Kalibrierung. Jede Bewegung darin verfälscht beide für den ganzen Flug.
  • Warten, bis die Flugschleife läuft — rund 41 Sekunden.
  • Genug Satelliten, sonst stützt der Filter die Waagerechte gar nicht.
  • Nullhöhe prüfen. Steht dort etwas anderes als null, ist der Zustand nicht mehr Ruhe oder Scharf.
  • Rampenzeit kurz halten. Der Filter wandert in einer Richtung, die keine Messung sieht — gedämpft, aber nicht beseitigt.
  • Füllen und drucken — Personen hinter Deckung, Druck erst unmittelbar vor dem Start.
  • Armschalter ein. Ab hier ist die Pyrotechnik scharf; beide Auslöseflaggen stehen auf null.
  • Den Abbruch ein letztes Mal testen. Wenn er hier nicht ankommt, kommt er im Ernstfall auch nicht an.
  • Bereich räumen, Startfreigabe.
4
Flug

Dreißig Sekunden, in denen es nichts zu tun gibt.

  • Zustandsfolge beobachten. Bleibt sie irgendwo stehen, ist wo die wertvollste Information des ganzen Fluges.
  • Auslöseflaggen im Beacon.
  • Woher der letzte Beacon kam. Das ist die Suchkoordinate.
5
Landung, Bergung, Auswertung

Flugdaten sind unwiederholbar — die Reihenfolge hier schützt sie.

  • Letzte Position sofort notieren. Ein Notizzettel überlebt auch einen abgestürzten Laptop.
  • Board nicht ausschalten und nicht zurücksetzen. Die letzte Position lebt nur im Arbeitsspeicher.
  • Bergen, Armschalter aus, nicht gezündete Ladungen behandeln, als würden sie noch zünden.
  • Auslesen und wegkopierenbevor irgendwo gelöscht wird.
  • Die drei Zähler auswerten. Sättigung über null heißt: der Beschleunigungssensor stand am Anschlag, und die Zahlen aus dieser Phase tragen keine Information.
  • Rohdaten durch den Replay und danach durch den Rückwärtsglätter.
  • Ergebnis festhalten, mit dem notierten Commit-Hash.

Zwei Formen dieser Seite

Als Datei geöffnet lassen sich die Punkte oben anklicken, und der Browser merkt sich den Stand. Im CMS nicht: dort werden Skripte entfernt, deshalb kommt in der Web-Fassung dieser Reihe grundsätzlich keines vor — sie zeigt dieselbe Liste zum Ausdrucken. Die ausführliche Fassung mit jedem Einzelpunkt und seiner Begründung steht als docs/Startcheckliste_und_Verbesserungen.md im Projekt.

03

Die fünf Fälle, in denen der Schirm nicht kommt

Alle fünf wurden im Simulator gegen eine bekannte Wahrheit gemessen, nicht erschlossen. Keiner ist geändert worden: sie entscheiden, wann eine Rakete ihren Schirm wirft, und das ist eine Entscheidung des Erbauers, kein Aufräumen.

1 · Die Reservezündung ist genau im Versagensfall gesperrt

Die zweite Zündung ist als Reserve gedacht: Wenn die erste Ladung nicht zündet, kommt anderthalb Sekunden später die zweite. Nur durchläuft sie dabei erneut die volle Verriegelungskette — einschließlich der Mindesthöhe von drei Metern.

Zündet die erste nicht, fällt die Rakete in diesen anderthalb Sekunden rund dreißig Meter und ist längst darunter. Im Simulator löst Kanal eins bei nicht ganz zwanzig Metern aus — und Kanal zwei nie.

Die Redundanz ist damit in genau dem Fall wirkungslos, für den sie existiert.

2 · Die Auslösehöhe passt zu einer anderen Rakete

Der Schirm kommt bei zwanzig Metern über Grund, und daneben steht der Kommentar „etwa zwanzig Meter Scheitel, erhofft“. Das Physikmodell sagt für eine 1,5-Liter-Flasche bei acht bar aber siebzig Meter.

Bei siebzig Metern Scheitel fällt die Auslösung rund eine Sekunde vor dem Aufschlag. Der Schirm hat keine Zeit zu öffnen. Diese Zahl muss die echte Rakete liefern, nicht ein Kommentar.

3 · Ein totes IMU verhindert jede Auslösung

Die Freigabe verlangt, dass beide Sensoren im laufenden Zyklus gemeldet haben — obwohl die Entscheidung selbst ausschließlich Höhe und Sinkgeschwindigkeit aus dem Barometer benutzt. Fällt der Beschleunigungssensor aus, kommt kein Schirm, obwohl alles Benötigte vorhanden ist.

4 · Ein eingefrorenes Barometer lässt den Automaten stehen

Ein Sensor, der immer denselben Wert meldet, sieht aus wie eine Rakete, die stillsteht. Der Zustandsautomat bleibt dann hängen und löst nie aus. Der Zähler, der genau das erkennt, existiert bereits — er wird nur an einer einzigen Stelle benutzt und nirgends sonst.

5 · Der Brennschluss hat als einzige Stufe keine Zeitreserve

Erkannt wird er daran, dass die gemessene Beschleunigung unter zwei Meter pro Sekundenquadrat fällt. Das heißt in Wahrheit: der Luftwiderstand fällt unter zwei. Über vier geprüfte Raketenkonfigurationen tritt der Übergang durchweg bei 13 bis 15 Metern pro Sekunde ein — also rund anderthalb Sekunden vor dem Scheitel statt zwei Zehntel nach dem Start.

Bleibt er aus, wird der Scheitel nie erreicht und nichts löst aus. Jede spätere Stufe hat für genau diesen Fall eine Zeitreserve. Diese nicht.

Und zwei Dinge, die keine Entscheidung brauchen, sondern nur Arbeit

Der Armschalter wird von der Software nicht gelesen — sie leitet den Scharfzustand aus dem Flugzustand ab, und der entsteht fünfzehn Sekunden nach dem Einschalten von selbst. Ihn zu verdrahten ändert daran nichts. Und der Flugspeicher ist voll: zwölf Kilobyte frei. Die Firmware warnt beim Start korrekt und laut, aber ein Flug in diesem Zustand zeichnet nichts auf.

04

Was der Filter jetzt besser macht

Vier Fehler, drei davon in Code, der als geprüft galt. Der erste ist der unangenehmste, weil er nicht im Flugrechner saß, sondern im Messgerät.

Der Simulator war nicht mit sich selbst vereinbar

Ein Flugsimulator gibt zwei Dinge aus: was die Sensoren melden, und wie die Rakete wirklich lag. Beide entstanden in getrennten Codezweigen, von Hand gepflegt — und sie passten nicht zueinander.

PhaseDrehrate wahrDrehrate gemeldetBefund
Schub0,378 rad/s0,00669× zu klein
Steigflug0,1820,00363× zu klein
Trudeln ohne Schirm0,0001,062Gyro dreht, Wahrheit steht

Ein Filter kann keine Drehung verfolgen, die sein Gyroskop nie gemeldet hat. Und weil die waagerechte Position vollständig am Neigungsfehler hängt — 39 Grad Schräglage bedeuten 6,2 Meter pro Sekundenquadrat falsch projizierte Schwerkraft — war damit jede frühere Aussage über die Waagerechte entwertet.

Behoben: Es gibt jetzt nur noch eine Quelle. Die Drehrate wird gemessen statt erfunden, die Lage daraus integriert. Und der Simulator prüft am Ende jedes Laufs seine eigene Stimmigkeit und schreibt sie hin — ein Messgerät, das das nicht tut, bekommt diesen Fehler wieder.

Ein Schutzmechanismus, viel zu klein bemessen

Der Beschleunigungssensor schlägt bei sechzehn g an; beim Start erreicht die Rakete rechnerisch sechsundzwanzig. Für diese Zeit soll der Filter seine Unsicherheit aufweiten, weil die Messung nichts mehr enthält. Der Wert dafür war nach Gefühl gesetzt und nie geprüft.

Er entsprach 0,085 Metern pro Sekundenquadrat angenommener Unwissenheit — gegen 94 echte. Faktor elfhundert. Über die 0,14 Sekunden Anschlag lag die Geschwindigkeit um dreizehn Meter pro Sekunde daneben, während der Filter sich auf drei Zentimeter pro Sekunde sicher wähnte. Das Barometer musste die Differenz erklären — und weil die Geschwindigkeit als sicher galt, landete die Korrektur auf der Lage.

Gemessen über zwanzig Flüge war der ausgelieferte Wert der schlechteste von allen getesteten — schlechter, als die Funktion ganz abzuschalten.

Ein Vorbehalt dazu, am selben Tag nachgemessen. Dieser Vergleich isoliert den einen Wert. In der endgültigen Einstellung — also zusammen mit den beiden anderen Korrekturen weiter unten — schlägt der alte Wert das Abschalten wieder in drei von vier Kennzahlen. Der Befund selbst bleibt: der neue Wert liegt am Anfang eines echten Plateaus und folgt aus der Hardware. Was nicht mehr gilt, ist der Satz „schlechter als ganz abschalten“ — er beschreibt einen Filter, den es seit den anderen beiden Korrekturen nicht mehr gibt.

Der Filter wandert auf der Rampe, wo niemand hinsieht

Fünfzehn Minuten echte Aufzeichnung dieses Boards, still auf dem Tisch, durch den echten Flugcode zurückgespielt: Die Position bleibt bei zwei Millimetern — tadellos. Aber die geschätzte Nullpunktabweichung des Beschleunigungssensors wächst auf 0,58, und zwar bei einem Sensor, dessen gemessene Instabilität bei 0,0006 liegt. Faktor achthundert.

Daneben: Die Lage driftet in derselben Zeit um 3,348 Grad. Und die Abweichung, in Winkel umgerechnet, ergibt 3,363 Grad. Dass diese beiden Zahlen auf drei Stellen übereinstimmen, ist die ganze Diagnose: Neigung und Nullpunkt lassen sich gegeneinander verschieben, ohne dass irgendeine Messung etwas merkt.

Im Stillstand kostet das nichts — deshalb ist jeder Dauerlauf durchgegangen. Beim Abheben kostet es alles: bei sechzehn g sind 3,3 Grad neun Meter pro Sekundenquadrat in die falsche Richtung.

„Vorbereitet, aber nie ausgeführt“ galt dem Sensor, nicht der Rechnung

Am Magnetometer-Code stand der ehrliche Vermerk, er sei vorbereitet, aber mangels Sensor nie ausgeführt worden. Das ist eine Aussage über ein fehlendes Bauteil — und wurde gelesen, als decke sie den ganzen Pfad ab. Die Rechnung deckte sie nicht.

Die Funktion, die den Kurs liefern soll, liefert in Wahrheit den Kursfehler: mit der richtigen Lage gefüttert gibt sie für jeden Kurs exakt null. Der Filter zog davon noch einmal den Kurs ab und lief so gegen ungefähr den halben wahren Wert.

Erst nach dieser Korrektur wurde ein zweiter Fehler sichtbar: Die Anfangsunsicherheit stand auf der falschen Achse — auf der Achse des Bauteils statt auf der Senkrechten der Welt. Die decken sich nur, solange das Board waagerecht liegt. Ab vierzig Grad Neigung machte die Korrektur die Schätzung schlechter, als sie sie vorfand.

Zwanzig simulierte Flüge gegen bekannte Wahrheit, vorher und nachher

Kennzahlvorhernachher
Neigungsfehler, Mittel13,62°3,52°−74 %
Neigungsfehler, schlechtester43,83°7,91°−82 %
Sinkflug25,44 m10,52 m−59 %
Landung, letzte 2 s8,15 m3,27 m−60 %
schlechtester Punkt108,31 m26,74 m−75 %
Flüge mit gemeldeter Divergenz14 von 200 von 20

Der Zähler, den niemand gelesen hat

Die letzte Zeile ist die unangenehmste. Der Filter führt einen eigenen Divergenz-Zähler, dokumentiert mit „jeder Wert über null bedeutet, der Filter divergierte“. Er steht in jeder Diagnosezeile und im Flugspeicher — und hat in vierzehn von zwanzig Flügen gefeuert, während die Genauigkeitszahlen daneben zitiert wurden. Ein Zähler, den niemand liest, ist keine Instrumentierung.

05

Was sich als Nächstes lohnt

Vierundzwanzig Vorschläge stehen im Projekt; hier die vier, bei denen Nutzen und Aufwand am weitesten auseinanderliegen.

Die GPS-Rate erhöhen — gemessen der größte Einzelgewinn

Der Empfänger läuft heute mit dem, was er beim Einschalten kann: Der Treiber öffnet nur die Schnittstelle und schickt ihm nie eine Konfiguration. Bei einem Fix pro Sekunde sind das auf einem dreißig Sekunden langen Flug dreißig Messungen — für die einzige Größe, die die waagerechte Position überhaupt stützt.

RateSteigflugSinkflugschlechtester Punkt
1 Hz (heute)3,45 m10,55 m26,81 m
2 Hz2,87 m7,58 m19,85 m
5 Hz1,74 m6,45 m15,90 m
10 Hz1,50 m5,81 m16,93 m

Ehrlich dazu: Bei der heutigen Übertragungsgeschwindigkeit passt zehnfache Rate nicht durch, und ob das Modul sie kann, steht in keinem Datenblatt hier. Und der Simulator würfelt jeden Fix unabhängig — ein echter Empfänger tut das nicht. Der reale Gewinn kommt aus der besseren zeitlichen Auflösung, nicht aus Rauschmittelung, und ist kleiner als die Tabelle sagt. Kleiner, nicht null.

Ein Magnetometer bestücken

Das einzige Bauteil, das die Kursrichtung im Stillstand überhaupt beobachtbar macht — und das ist genau die Richtung, in die der Filter wandert. Die Vorarbeit ist getan und seit dem Audit auch geprüft: Der Kurs konvergiert jetzt exakt, von waagerecht bis siebenundfünfzig Grad Neigung. Es teilt sich die Leitung mit dem vorhandenen Sensor, es sind also keine neuen Anschlüsse nötig. Was fehlt, ist die Kalibrierung am fertig montierten Flugkörper — nicht am Bauteil.

Ein Summer, und ein Speicher, der einen Reset überlebt

Die letzten zehn Meter findet man mit den Ohren, nicht mit GPS. Ein Piezo, der ab der Landung im Sekundentakt piept, ist der billigste Punkt der ganzen Liste — und im hohen Gras der Unterschied zwischen Bergung und Verlust.

Dazu: Der Chip hat einen nichtflüchtigen Speicher, er ist in der Partitionstabelle reserviert, und im ganzen Quelltext benutzt ihn nichts. Die letzte Position dort abzulegen kostet wenige Zeilen und macht sie unabhängig davon, ob das Board den Aufprall überstanden hat.

Drei Dinge, die noch geschrieben werden müssen

Bevor Pyrotechnik drankommt, fehlen drei Stücke Firmware. Es gibt keinen Zündimpuls — die Auslöselogik setzt eine Markierung und schreibt eine Zeile, aber es existiert kein Begriff von Zünddauer. Die Ausgänge werden nie als Ausgänge konfiguriert; beim Start sind sie undefiniert, und das Einzige, was die Zündkreise unten hält, ist ein Widerstand in der Hardware. Und der Armschalter wird nicht gelesen.

06

Sechs Regeln, die aus diesem Tag folgen

1
Ein Zähler, den niemand liest, ist keine Instrumentierung
Der Divergenz-Zähler stand seit Tagen in jeder Zeile und feuerte in vierzehn von zwanzig Flügen. Kein Filterergebnis wird mehr zitiert, ohne ihn danebenzustellen.
2
Jedes Werkzeug nennt seine Konfiguration
Zwei der Befunde waren Werkzeuge, die still gerechnet haben. Ein Lauf, der nicht sagt, womit er rechnet, lässt sich nicht nachprüfen — und dann fällt auch nicht auf, wenn ein Schalter einen zweiten mitverstellt.
3
Was ein Simulator zweimal ausgibt, muss gegen sich selbst geprüft werden
Lage und Drehrate beschreiben dieselbe Sache. Dass sie um den Faktor sechzig auseinanderlagen, hätte jederzeit auffallen können — es hat nur nie jemand nachgerechnet.
4
Ein Parameter, der „nicht hilft“, ist nur so gültig wie die Messung dahinter
Ein dritter, gesunder Wert stand auf null, weil er mit einem kaputten Werkzeug und einem kaputten Nachbarwert gemessen worden war. Zwei defekte Dinge hatten ein funktionierendes begraben — und die Notiz darüber las sich wie ein abgeschlossener Befund.
5
Werte aus der Physik, nicht aus dem Durchprobieren
Beide geänderten Filterwerte folgen aus einer Rechnung über die Hardware, und beide liegen auf einem Plateau der Messkurve, nicht auf einer Spitze. Ein Wert, der nur als Gipfel einer Kurve zu rechtfertigen ist, überlebt den nächsten Sensor nicht.
6
Der erste Flug ohne Pyrotechnik
Er räumt den halben Stapel ab: den echten Scheitel, die echte Zustandsfolge unter echten Kräften, die echte Reichweite, die echten Anschlagzähler — und eine Rohdatenaufzeichnung, gegen die sich jeder künftige Filter zurückspielen lässt. Ohne dass eine Fehlzündung etwas kaputt macht.

Wo der Flugrechner heute steht

Zwölf Selbsttests auf der echten Hardware grün. Achtunddreißig Minuten Dauerlauf ohne eine einzige Klemmung, Dekorrelation oder Sättigung. Alle Barometermessungen angenommen, keine einzige Aufweitung nötig, kein Reset. Der Simulator stimmt zum ersten Mal mit sich selbst überein. Was fehlt, ist nichts, was noch programmiert werden müsste — es ist Lötzinn, ein Messgerät und eine Handvoll Entscheidungen.

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